Otto Wirz

1890–1976
Das Handelsgymnasium musste er wegen der knappen Finanzen seiner Eltern nach der Tertia verlassen. Doch nach der Lehre bei der Post wechselte Otto Wirz zur Bahnpost und liess sich zu den Nachtschichten einteilen, damit er am Tag Vorlesungen an der Universität besuchen konnte. So erlangte er das Patent als Berner Amtsnotar. Als Sachwalter der konkursen Chocolat Tobler sanierte er das Traditionsunternehmen erfolgreich und begann damit seine Karriere als Wirtschaftsführer, die er mit der Rettung und dem Aufbau der Maschinenfabrik Wifag krönte. Er galt als «Grand Old Man» der stadtbernischen Politik und Wirtschaft.

Otto Wirz kam am 14. Juni 1890 in Bern als Sohn des Gastwirts Jost Wirz und dessen Ehefrau Emilie, geborene Schürmann zur Welt. Er besuchte in Bern die obligatorischen Schulen und das Progymnasium. Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten musste er das Handelsgymnasium vorzeitig verlassen und begann 1907 eine Lehre bei der Post. Später arbeitete er bei der Bahnpost, wo er sich für Nachtschichten einteilen liess, um tagsüber juristische Vorlesungen an der Universität besuchen zu können.

Mit dem Patent als Berner Amtsnotar in der Tasche arbeitete Otto Wirz ab 1921 bei der Kanzlei Küpfer & Läderach in Bern, bevor er 1933 ein eigenes Notariats- und Verwaltungsbüro gründete. Gleichzeitig leistete er Militärdienst und sass von 1924 bis 1959 im Berner Stadtrat, zeitweise auch im Grossen Rat. 1924 heiratete er Martha Oeler, Tochter des bekannten Berner Transportunternehmers Albert Oeler. Mit ihr hatte er eine Tochter.

Als sich 1931 die Chocolat Tobler AG in der Nachlassstundung befand, wurde Otto Wirz als Sachverwalter eingesetzt. Aufgrund der erfolgreichen Sanierung wurde er wenige Jahre später zur angeschlagenen Spar- und Leihkasse in Bern gerufen, die er ebenfalls erfolgreich sanierte. Sowohl bei der Chocolat Tobler als auch bei der Spar- und Leihkasse sass er fortan im Verwaltungsrat und konnte dabei ein tragfähiges Netzwerk aufbauen.

Auch die auf Zeitungsdruckmaschinen spezialisierte Maschinenfabrik Winkler, Fallert & Cie., die spätere Wifag, wurde in den 1930er Jahren hart von den wirtschaftlichen Turbulenzen getroffen. Fehlende Reserven und ein überalterter Maschinenpark verschärften die Probleme. Als Hauptgläubigerin stand die Spar- und Leihkasse vor der Entscheidung, die Wifag zu liquidieren oder zu verkaufen. Da gelang es Otto Wirz, 1941 ein Übernahmekonsortium zusammenzustellen und die drohende Schliessung abzuwenden.

Entscheidend dabei war die Mitwirkung des technisch versierten Karl Bretscher (1883–1966). Unter dessen Leitung wurden während des Zweiten Weltkriegs vermehrt Werkzeugmaschinen gebaut und Arbeiten für Munitions- und Waffenfabriken ausgeführt. Aber auch die Drucktechnik wurde weiterentwickelt in Form der Herstellung von sogenannten Tubendruckmaschinen.

Bücher und weitere Infos

Band 108

Gut gedruckt

Führende Köpfe der Maschinenfabrik Wifag

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