Karl Anton von Lerber

1784–1837

Karl Anton von Lerber (1784–1837) war zwar ein Sprössling einer patrizischen Familie. Dennoch erkannte er die Zeichen der neuen Zeit und prägte die liberale Wende im Kanton Bern wesentlich.

Vor 200 Jahren gründete er die «Mobiliar»

Als früher Förderer des Banken- und Versicherungswesens – insbesondere als Mitgründer und erster Präsident der Mobiliar Versicherung, der ersten professionellen Privatversicherung der Schweiz – wirkt Karl Anton von Lerbers Vermächtnis bis heute nach.

Angefangen hatte alles ziemlich konventionell für einen jungen Mann seines Standes in der damaligen Zeit. Nach Aufenthalten in berühmten Bankhäusern in Paris, Rom und Lausanne amtete er – zurückgekehrt nach Bern – unter anderem bald im Grossen Rat, dann im Kleinen Rat und – in diesen Zeiten des politischen Umbruchs – von 1831 bis 1837 als Regierungsrat.

Karl Anton von Lerber stellte sich spätestens ab 1831 ganz auf die Seite der Liberalen. Als einer der wenigen seiner Standesgenossen war er bereit, nach dem Sturz des alten Patrizierregiments eine Wahl in den Regierungsrat anzunehmen. Es sei seine menschenfreundliche Gesinnung gewesen, die ihn veranlasst habe, den Wunsch nach politischen Reformen als berechtigt anzuerkennen.

Sein menschenfreundliches Wesen und soziales Engagement waren schon früh zutage getreten. Eine Anekdote aus seinen Lehr- und Wanderjahren in Paris erzählt davon, wie er seinen erkrankten Geigenlehrer wochenlang in Verkleidung im Orchester vertrat, damit derselbe seine Stelle nicht verliere. Ob in Karl Anton von Lerber schon hier die Idee zur Schaffung einer genossenschaftlichen Versicherung im Sinne einer gegenseitigen Hilfestellung in Notlagen keimte?

Wie auch immer – die Ursprünge der späteren Mobiliar Versicherung finden sich in Murten. Hier wurde schon 1825 die «Schweizerische Mobiliar-Assekuranzkasse» gegründet, die Vorgängerin der späteren Mobiliar Versicherung. Ihre Statuten atmeten noch den Geist der alten Zeit. So sahen sie vor, dass die Prämien auch in Form von Gemüse, Eiern oder Schinken bezahlt werden konnten. Dies lässt darauf schliessen, dass zumindest ein Teil der anvisierten Kundschaft nur wenig Geldersparnisse hatte.

Auf diese Weise konnte keine Versicherung im modernen Sinn aufgebaut werden. Schon im Februar 1826 wurde die Gesellschaft deshalb als Genossenschaft unter der Führung von Karl Anton von Lerber neu gegründet und nach Bern verlegt. Die ersten Geschäftsräume befanden sich im Wohnhaus von Lerbers an der Gerechtigkeitsgasse 93 (heute 58). Doch wie startet man sozusagen aus dem Stand eine Versicherung? Woher nimmt man das Geld? Im Falle der Schweizerischen Mobiliarversicherungsanstalt geschah dies in der ersten Zeit im reinen Umlageverfahren. Die im Lauf des Jahres eingegangenen Prämien wurden zum Jahresende an die Geschädigten ausgezahlt. Überstieg die Schadensumme die Prämieneinnahmen, mussten die Versicherten nachschiessen.

Wie viele führende Köpfe seiner Zeit war auch Karl Anton von Lerber in vielen Bereichen aktiv. Als Mitglied des Baudepartements befasste er sich zwischen 1834 und 1837 mit der Stadterschliessung und dem Brückenbau. Überdies war er Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft und Mitgründer der Berner Kantonalbank. Am 20. März 1837 starb Karl Anton von Lerber.

Bücher und weitere Infos

Sonderpublikation

Risiko, Solidarität und Mathematik

Die Schweizer Versicherungswirtschaft und ihre Geschichte. 125 Jahre Schweizerischer Versicherungsverband SVV

Suche