Robert Bindschedler

1844–1901
Er war der erste Chemiker in der Leitung einer Basler Chemiefabrik, ein Wissenschafts-Manager, der Hochschule und Industrie verknüpfte. Mit seiner Firma Bindschedler & Busch wagte er als erster den Schritt von der Farbenproduktion in den Pharmabereich. Die Universität Zürich verlieh ihm 1883 die Ehrendoktorwürde. Den mit den Farbwerken Hoechst strafrechtlich ausgefochtenen Kartellkampf um das von Bindschedler produzierte Arzneimittel Antipyrin verlor er. Während der Verbüssung seiner Haftstrafe starb er an einem Herzschlag.

Am 20. Juli 1844 wurde Robert Bindschedler als drittes von sieben Kindern des Wirts «Zum Lamm», Johannes Bindschedler, an der Obergasse in Winterthur geboren. Nach den städtischen Schulen studierte er Chemie am Polytechnikum (heute ETH) in Zürich. Die erste Stelle trat er als technischer Leiter in der Fuchsinfabrik bei Johann Rudolf Geigy in Basel an. Dort wurde hauptsächlich der rote Anilinfarbstoff Fuchsin hergestellt. 1868 ging er nach Frankreich, wo er in Paris ebenfalls in einer Anilinfabrik arbeitete. Der Deutsch-Französische Krieg 1870 durchkreuzte aber seine Pläne, und er musste nach Basel zurückkehren.

In Basel arbeitete Robert Bindschedler zuerst bei der Firma Clavel. Als sich 1873 die Chance bot, die Firma zu übernehmen, kaufte er sie zusammen mit seinem Jugendfreund Albert Busch und weiteren Winterthurer Investoren. Die Firma erlebte schon bald einen grossen Aufschwung und Alizarin, ein leuchtend roter Farbstoff, wurde für die Firma Bindschedler & Busch zum wichtigsten Produkt. Dies wurde ihr aber zum Verhängnis, denn aufgrund eines massiven Preiszerfalls ab 1875 musste die Produktion vorübergehend eingestellt werden. Fortan konzentrierte sich Bindschedler & Busch auf diversifizierte Qualitätsprodukte, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Der Erfolg von Bindschedler & Busch führte zu einer stetigen Erweiterung der Produktepalette und erforderte laufend neues Investitionskapital. Deshalb wurde die Firma 1884 in eine AG umgewandelt, die Chemische Industrie Basel (CIBA) AG in entstand, mit Robert Bindschedler und Robert Gnehm an ihrer Spitze.

Doch dem unbändigen Bindschedler konnte es nicht gefallen, nicht alleine das Sagen zu haben. Nach seinem Austritt aus der CIBA 1891 gründete er 1893 die Basler Chemische Fabrik Bindschedler (BCF). Sie stellte Farbstoffe und pharmazeutische Präparate wie das damals wohlbekannte Fiebermittel Antipyrin her. Auch diese Firma wurde erfolgreich, vor allem wegen des 1897 entwickelten Verfahrens zur synthetischen Herstellung von Indigo.

Wie damals üblich, schlossen die Hersteller von chemischen Wirkstoffen Kartellverträge untereinander ab, um den Vertrieb zu kontrollieren und die Preise hochzuhalten. So vereinbarte auch Robert Bindschedler mit deutschen und französischen Firmen ein ausgeklügeltes System von Lieferquoten und Ausgleichszahlungen, unter anderem für das beliebte Fiebermittel Antipyrin – bis die Firma Hoechst klagte, Bindschedler habe sich ungerechtfertigt hohe Ausgleichszahlungen erschlichen. Es kam im Jahre 1900 zum Prozess vor dem Basler Strafgericht, das Bindschedler wegen Betrugs zu einer eineinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.
Während der Verbüssung seiner Gefängnisstrafe verstarb Robert Bindschedler im Bürgerspital Basel am 20. August 1901.

Bücher und weitere Infos

Band 105

Die Bindschedlers

Bürgersinn – Wagemut – Innovation

Suche